Organizing

You Don’t Need A Budget

YNAB

2017 bedeutet für mich auch das blöde Jahr, in dem ich 25 Jahre werde. Abseits von einer Pseudo-Quarter-Life-Crisis heißt das für eine Studentin wie mich: kein Kindergeld mehr, dafür selbst versichern. Also nicht nur auf einen Schlag 180 Euro weniger im Monat zur Verfügung. Nein. Zusätzlich auch 90 Euro mehr zahlen. Schon einige Sorgen hat es mir bereitet zu wissen, dass ich plötzlich 270 Euro weniger im Monat zur Verfügung haben werde. Ich habe überlegt, wo ich Geld einsparen könnte, habe angefangen alte Elektronikgeräte zu verkaufen, doch eigentlich sind das nur Peanuts. Langsam muss ich dem nachgehen, was mein Vater mir seit meinem Auszug vor fünf Jahren predigt: meiner Finanzplanung.

Schon damals haben wir zusammen ein Excel-Dokument angelegt, was schon deutlich komfortabler als ein Haushaltsbuch ist. Einfach Werte eintragen und das Ausrechnen wird übernommen. Dennoch war meine Lust alte Kassenbons zu sammeln und ständig neue Einträge (mich wirklich dem Dokument zu widmen) gering. Doch mit der App YNAB (You Don’t Need A Budget) habe ich endlich die für mich optimale Lösung gefunden!

YNAB funktioniert in der klassischen Version (aktuellste ist hier YNAB4, weitere werden jedoch nicht folgen) oder läuft als YNAB einfach im Browser. Wer möchte, kann seine Bankverbindungen, PayPal etc. direkt verbinden, um so keine eigenen Einträge machen zu müssen, mir persönlich ginge das aber schon etwas zu weit. Da fühle ich mich wohler, mir zusätzlich noch die YNAB-App auf’s Handy zu laden, da sich beides miteinander synchronisiert und ergänzt. Mit dem Handy kann ich so also auch unterwegs fix meine Finanzen checken und Transaktionen (z.b. 20,34 Euro bei Rewe ausgegeben für Einkäufe, bezahlt vom Bargeld) eintragen. Aber wie funktioniert die App nun ganz genau?

Zuerst muss man schon seine “Banking Accounts” anlegen, aber keine Sorge, die müssen wirklich nicht mit den echten verbunden sein. Ich kann bei Erstellung des virtuellen, imaginären Kontos den aktuellen Kontostand des zu berücksichtigendem Konto hinzufügen. Meine verschiedenen Accounts bestehen z.B. aus meinem Portemonnaie/Bargeld, meinem Girokonto und meinem Sparbuch (stay classy). Die summierten Werte ergeben mein “Budget”, das ich nun mit YNAB gezielt verwalten kann. In der Budget-Übersicht kann ich Kategorien und Kostenpunkte individualisieren und anlegen, wie ich sie möchte. Unter monatlichen Ausgaben fallen da die Miete, Strom, Telefon/Internet etc. an. Ich kann direkt sagen, dass ich dafür Betrag x benötige, um die Kosten zu decken. Diese Beträge werden nun von meinem “Budget” abgezogen. Dieses Geld hat nun eine “Aufgabe” und kann für nichts anderes mehr ausgegeben werden (wenn man sich denn dran hält). Auch regelmäßige Zahlungen berücksichtige ich hier, die nicht unbedingt monatlich anfallen. GEZ und Studiengebühren wären so etwas. Gerade Studiengebühren können auf einen Schlag schmerzen, aber ich kann mir mit YNAB auch gezielt sagen, dass ich pro Monat so und so viel dafür beiseite legen möchte, damit mich nicht plötzlich der Schlag trifft. Dann fallen noch alltägliche Dinge wie der Einkauf an. Hier kann man auch nochmal differenzieren, wie viel man sich im Monat für Lebensmittel, Freizeitaktivitäten, Kleidung, Kosmetik und so weiter parat legen möchte. Da man sich wirklich alles personalisieren kann, habe ich z.B. die Kategorie “Bücher/Videospiele”, um mich zu zügeln, wie viel ich im Monat dafür ausgeben. Zudem gibt es noch “rainy day funds”, Kredite oder Lebensträume als Kategorien, für die man so gezielt sparen kann (Urlaube, ein eigenes Auto und was man sich nicht sonst noch so wünscht).

Ziel ist es mit YNAB dem Geld bestimmte “Aufgaben” so zuzuschreiben und sein Geld nicht ziellos für Kleinigkeiten hier und da auszugeben. Sich selbst am Monatsanfang vornehmen, wie viel man wofür ausgeben will, wie viel man sparen möchte. Natürlich kann man dies auch jeder Zeit anpassen, wenn man merkt, dass es im Laufe des Monats doch nicht so klappt (für mich kam diesen Monat überraschen die Rechnung meiner BahnCard und die Abrechnung für Amazon Prime rein, die ich schon ganz vergessen habe, wodurch mein Bücher/Videospiel-Budget diesen Monat leer blieb und ich auch an anderer Stelle eingespart habe).

YNAB Screenshot

Mit schnellen Einträgen am PC oder eben über das Handy kann ich ganz fix eingeben, was ich wo für was ausgegeben habe und welcher Kategorie dies zu Buche getragen wird. So sagt mir YNAB, wenn ich mir als Ziel lege, im Monat maximal 50 Euro für Bücher/Videospiele auszugeben, wenn ich mir ein 8,90 Euro teures Taschenbuch gekauft habe, dass ich diesen Monat noch 41,10 Euro zur Verfügung habe. Natürlich muss ich diesen Betrag nicht auf Biegen und Brechen ausgeben. Kaufe ich den Monat sonst nichts mehr, übernehme ich die 41,10 Euro mit in den nächsten Monat und habe dort schon 91,10 Euro für diese Kategorie (wenn ich denn diszipliniert bleibe und das übrig gebliebene Geld nicht woanders verprasse, was man mit YNAB eben in den Griff bekommen soll). Abseits von Ausgaben kann man natürlich auch Einnahmen gutschreiben wie Gehalt oder den Lottogewinn. Auch kann Geld ganz einfach zwischen den virtuellen Konten transferiert werden, wenn ich etwas von meinem Girkonto abhebe und das Geld sich nun in meiner Brieftasche befindet. So habe ich generell immer eine schöne Übersicht über meinen Finanzstatus zuhause und kann ihn unterwegs checken (wie viel ist noch auf dem Konto ohne Online-Banking, wie viel habe ich bar bei mir?).

Und das Beste für mich als Studentin: es ist kostenlos. Während man sich früher YNAB Classic (YNAB4) einmalig kaufen musste, läuft das neue YNAB über ein monatliches Abo-System. Studenten haben den Vorteil, dass sie mit aktueller Studienbescheinigung, die einmal fix per Mail an den Support geschickt werden muss, sie ein Jahr YNAB kostenlos kriegen. Und dies lässt sich immer wieder erweitern, also einfach jedes Jahr die aktuelle Studienbescheinigung hinschicken und die gesamte Studienzeit über von YNAB profitieren!

Noch ein kleiner, persönlicher Kommentar zum Schluss: Am Anfang des Artikels wurde ich sehr persönlich, in dem ich offen legte, dass die künftig anstehenden Änderungen in meinen Finanzen meine bisherige “Finanzwelt” deutlich durchrütteln. Neben Fancyschmancy stecke ich in meiner Freizeit noch viel Arbeit in die Projekte IKYG, Pixelfrauen, Philusophie oder auch in meine Streams. Wer mag, was ich so alles produziere und mich da ein wenig unterstützen möchte, der kann dies gerne über PayPal (oder meine Amazon Wunschliste) tun, ich würde mich sehr freuen.

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9 Kommentare

  1. Das klingt doch nach einer sehr nützlichen App. Ich gehöre auch zu den Menschen, die nur mit einem Kontrollsystem überleben können. Bisher arbeite ich tatsächlich auch mit Excel-Tabellen und schreibe mir zu Anfang des Monats einen Status Quo per Hand auf.

    Kannst du schon sagen, wie viel Zeit die App bei dir ungefähr in Anspruch nimmt? Ich schreibe mir Erinnerungen unterwegs oft auf Kartei Karten und trage sie dann anschließend in meine Tabelle ein. Den Finanzhaushalt mit der App direkt zu kontrollieren scheint mir effizienter zu sein.

    Vielen Dank für den Tipp, ich werde das Ding mal testen. 😉

    • An sich braucht man am Anfang ein wenig, bis man sich da reingefuchst hat. Aber es gibt tatsächlich auch viele nützliche Tipps und Tutorials zu YNAB, auch von YNAB selbst. Aber letztendlich ist es schon sehr intuitiv. Am Anfang habe ich mich eben auch einmal hingesetzt und alles für mich eingerichtet – meine Accounts, meine Budget-Kategorien.

      Ich glaube, es kann etwas mehr Zeit in Anspruch nehmen, sich klar zu werden, wie viel man für was ausgeben will. Aber das scheinst du ja für dich schon ausgemacht zu haben, deswegen sollte das fix erledigt sein.

      Aber sonst ist es super nützlich und schnell erledigt. Keine 30 Sekunden würde ich behaupten braucht man, um seinen Eintrag einzugeben. Du schreibst es dir auf eine Karte, kannst aber in dem Moment einfach das Handy zücken, sagen du hast gerade Betrag X bei Geschäft Y von Konto Z bezahlt und schon ist es alles komplett in YNAB übersichtlich eingetragen. Dadurch, dass es sich automatisch synct, musst du zuhause auch keinen Eintrag mehr tätigen.

      Definitiv die komfortabelste und schnellste Art, die ich bisher kenne. 🙂

  2. Tatsächlich würde ich gerne YNAB mit meinem Konto verbinden, geht aber nicht. Ob es generell an Deutschland liegt, weiß ich nicht, aber es gibt eine Liste unterstützter Banken und die Sparkasse ist z.B. nicht dabei, die Landesbank Berlin (Amazon Kreditkarte) auch nicht.

    Zu den Versionen möchte ich noch anmerken: YNAB4 ist ja, wie du sagst, die alte, die nicht weiter entwickelt wird. Da hat man seine Daten lokal gespeichert bzw konnte sie in der Dropbox, verschlüsselt, ablegen. In der neuen Abo-Version gibt es keine App mehr und alles findet online statt. Für viele ein Grund, der gegen YNAB spricht. Ohne Internetverbindung geht es dann vielleicht auch nicht, kann aber sein, dass die App das lokal speichert und dann später online abgleicht.

    Wegen der guten Vorsätze habe ich mein YNAB dieses Jahr auch reaktiviert. Das neue YNAB ist leider etwas anders, wieso ich erneut Einarbeitungszeit brauche. Jedes Geld hat jetzt ein “Alter” und man soll Goals definieren

    • Zu dem lokalen Speichern: ich gehöre zu den verrückten, jungen Menschen, die ja auch mal ohne mobiles Datenvolumen unterwegs. Über die Handy-App konnte ich dennoch immer alles eintragen und sie öffnete sich auch problemlos, also gibt es wohl auch lokale Speicherung. Sobald ich dann wieder zuhause im WLAN war, hat es sich mit meinem YNAB-Konto synchronisiert, dass ich auch im Browser die Einträge sehen konnte.

  3. Die App YNAB selbst habe ich bisher nicht getestet, dafür aber bereits mehrere andere Apps dieser Art. Ich persönlich bin damit nicht warm geworden, weil ich es einfach zu anstrengend fand, jeden Kauf in die App einzutragen. Gerade wenn man an einer vollen Kasse beim Wocheneinkauf stand, wollte ich dann nicht noch 2 Minuten im engen Ausgang der Supermärkte verbringen um den Einkauf zu tracken.

    Für meine fixen (Miete, Riester-Rente etc.) bzw. regelmäßigeren GEMA, Hundesteuer etc.) Kosten habe ich eine Excel-Liste erstellt. Dort halte ich u.a. auch fest, was ich in diesem Jahr von der Steuer absetzen kann. Ansonsten habe ich mir mittlerweile für jeden zweiten Montag einen Kalendertermin im Handy eingerichtet, der mich daran erinnert meine Online-Konten zu checken. Bargeld nehme ich nur noch in den seltensten Fällen mit, weil mir dadurch der Überblick einfach zu schnell flöten geht. Dann kauft man hier mal nen Donut, und geht da mal Essen… Ein bisschen Geld sollte man zwar immer im Portmonee haben (das hat meine Mutter schon immer gesagt), aber dann eher für den Notfall.

    Generell bin ich tatsächlich aber auch ein sparsamer Mensch. Selbst wenn ich 100€ am Ende des Monats auf dem Konto hätte, hätte ich Angst, dass es für den Monat nicht mehr reicht und würde mir selbst sagen “Kino muss jetzt aber nicht noch sein.”. Dafür scheue ich aber auch nicht gespartes Geld für teure Technologien (bspw. habe ich die Nintendo Switch vorbestellt :’) auszugeben. Ich bin eher der “Im-Moment-leben” als groß vorauszuplanen. Mal abgesehen von der Riester-Rente.

    Lange Rede kurzer Sinn: Als Tipp von mir empfehle ich auf jeden Fall jedem (ja, auch Studenten) sich mit dem Thema Steuererklärung auseinander zu setzen. Nach meiner Ausbildung habe ich fast 2000€ zurück bekommen! Und mit den heutigen Steuersoftwares (Aldi bspw. 7€, die man im nächsten Jahr dann wieder von der Steuer absetzen kann :D) ist das super einfach. Ich verstehe gar nicht, wieso die Leute da immer so drüber stöhnen, wenn man im Jahr ggf. so viel Geld zurück kriegen kann…

    • Mit dem Thema Steuererklärung kenne ich mich allerdings auch nicht und wusste nicht, dass man da anscheinend auch als Student nochmal richtig von profitieren kann!

      Hast du da vielleicht zufällig einen Tipp parat, wo ich mich in das Thema auch mal einlesen könnte? Ansonsten würde ich einfach so mal googlen.

    • Ich versuche, wo es geht, mit Karte zu zahlen. Da sehe ich dann schön später zuhause: “Aha, REWE/Aldi/Netto -> Kategorie: Groceries”. Mein Bargeld ist am Ende des Monats auch oft “out of sync”, aber dann kann man das einfach unter “Sonstiges” budgetieren. Auch das sollte sich nach ein paar Monaten einpendeln und immer etwa die gleiche Summe sein.

      Thema Steuer: eine Steuererklärung ergibt ja nur Sinn, wenn man Steuern zahlt. Wenn man als Student einen steuerfreien 450-Euro-Job hat, bringt das nichts. Als Azubi, klar, da hast du Gehalt, da kannst du einiges zurückbekommen

      • @Phi
        Zur Steuererklärung allgemein habe ich damals auch einfach gegooglt. Bei den meisten Seiten findet man auch immer die gleichen Infos, da kommt es dann individuell nur drauf an, welcher Schreibstil am besten gefällt. Praktisch fand ich auf jeden Fall folgenden Link:
        http://www.meine-erste-steuererklaerung.de/start.html

        @Phi @David
        Zugegeben ich habe mich mit der Steuererklärung für Studenten noch nicht näher auseinander gesetzt, weil ich eben nicht studiere, aber dafür schon an vielen Ecken gehört, dass sich das Thema auch für einige Studenten lohnt. Da muss man sich dann eben einmal auf den Hosenboden setzen und für sich selbst schauen, ob man Steuern zahlt und ggf. die Chance hat etwas wieder zu bekommen (Thema “Werbekosten”). Allein das Bewusstsein dafür, dass Studenten in gewissen Fällen auch eine Steuererklärung schreiben können, wäre m.M. nach schon ein Schritt in die richtige Richtung.

  4. SolidEngineer

    Ich fand die Bits und so #322 ganz hilfreich für den Einstieg in YNAB.
    http://www.bitsundso.de/bus322/

    Ich selber benutze YNAB schon seit mehreren Jahren und kauf mir jetzt nur noch fancy Sachen wenn ich sehe das ich sie mir auch leisten kann.

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