Books Personal

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Nein, hört nicht auf mich. Jeder sollte so viel lesen, wie er mag. Fühlt euch nicht schlecht, wenn ihr wenig oder gar nichts liest, fühlt euch nicht schlecht, wenn ihr zu viel lest (gibt es das?). Ich hingegen fühle zu jedem Jahresende hin ein kleines Tief, weil ich meinen Erwartungen nach zu wenig gelesen habe und mehr hätte lesen können.

Kurz darauf kommt das neue Jahr. Wie jetzt. Ich bin wieder top motiviert. Ich öffne Goodreads, setze mir ein neues Lesegoal. Goodreads ist eine Art Log für eure Bücher, ihr gebt ein, was ihr lest, wann ihr auf welcher Seite seid und zum Jahresanfang könnt ihr euch ein Goal setzen, wie viele Bücher ihr im Jahr lesen wollt. Und genau hier liegt mein Problem. Oder bin ich das Problem?

Und jedes Mal, wenn sich das Jahr zu Ende neigt, sehe ich mein Goodreads-Goal… Meist habe ich es nicht geschafft oder rumgetrickst, damit mir die Zahl der gelesenen Bücher kein schlechtes Gewissen macht. Ich trickse rum, vorher kommt die Enttäuschung. Enttäuscht von mir und dem Wissen, an meinem eigenen Ziel gescheitert zu sein. Ich zähle die Comics hinzu, die ich gelesen habe (eigentlich versuche ich diese auszulassen und nur meine Bücher zu tracken), ich schraube nachträglich mein Ziel runter, nur damit ich am Ende mein Ziel erreicht habe. Doch selbst weiß ich, dass ich es nicht getan habe. Im Jahr 2014 habe ich 67 Bücher gelesen, sagt Goodreads. Das war mein erstes Jahr dort und ich weiß, dass Comics sicherlich mehr als die Hälfte ausgemacht haben. Desillusioniert dadurch habe ich mir mein Ziel für 2015 viel zu hoch gesetzt. In dem Jahr bin ich gescheitert und fühlte mich das erste Mal schlecht. Ich kann mich gar nicht mehr erinnern, wie hoch ich das Ziel angesetzt habe, Goodreads zeigt es mir bei gescheiterten Zielen auch nicht an. Und zeitgleich begleitet mich das ganze Jahr über dieser Freizeit-Stress, dass ich mir doch unbedingt die Zeit zum Lesen endlich nehmen muss. Auch wenn andere Dinge gerade wichtiger sind oder ich lieber den Abend an der Konsole bringe. Was ich auch so gehandhabt habe, das Lesen kam in dem Fall immer “zu kurz”, aber niemand hat die Erwartung, dass ich lesen muss, außer ich selbst.

Deutlich mitgenommen dadurch habe ich mein Ziel für 2016 drastisch tiefer angelegt. 20 Bücher. Das wird doch wohl zu schaffen sein. Für mich war es dies nicht. Zugegeben, ich habe einige Bücher angefangen und nicht zu Ende gelesen, diese werden natürlich nicht mitgezählt. Letztendlich habe ich jedoch “nur” 15 Bücher gelesen. Ich habe das Ziel auf 15 runtergeschraubt, damit es sich dennoch wie ein kleiner Sieg anfühlt, auch wenn ich weiß, dass dies nicht stimmt.

Mein Vorsatz für das neue Jahr ist nicht, dass ich wieder mehr lesen will. Oder, wie der Titel vermuten lässt, weniger zu lesen. Vielmehr soll es um das Akzeptieren gehen, dass ich nicht mehr so oft zum Lesen komme wie früher. Dass es nicht schlecht ist, wenn ich plötzlich nur noch ein einen Bruchteil von dem schaffe, was ich früher in einem Jahr gelesen habe. Mein Ziel diesmal niedrig zu setzen. Ohne nach oben oder unten zu korrigieren. Ohne verlegen doch noch einen Comic dazu zu packen, damit es nach mehr aussieht. Mich nicht schlecht zu fühlen, weil ich wenig oder weniger als andere lese. Denn dies spielt da deutlich mit rein. Wenn man die Ziele der anderen sieht, die 50 oder teils 100 Bücher im Jahr lesen wollen und es schaffen. Dagegen sehen meine 12 Bücher, die ich mir nun für 2017 vornehme, mickrig aus. Aber 12 Bücher sind ein Buch pro Monat. Wenn man so darüber nachdenkt, sind das doch gar nicht so wenige. Und definitiv machbar.

(Auf dem Titelbild übrigens meine To-Read-Bücher, die ich ins nächste Jahr mitnehme.)

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6 Kommentare

  1. Christian

    Uijuijui, setze dich doch nicht so unter Druck. Du bist auch ohne 100 Bücher im Jahr zu lesen ein produktiver Mensch. Ich hatte diesen inneren Antrieb aber auch sehr lange. Das dosieren von eigenen Herausforderungen muss man immer wieder seiner Lebenssituation anpassen. Vor einer Weile bin ich jeden Tag zwei Stunden mit dem Zug gefahren. In dieser Zeit konnte ich natürlich viel mehr lesen, als momentan. Jetzt versuche ich zwar immernoch jeden Tag eine halbe Stunde zu lesen aber wenn das nicht funktioniert, dann nur auf Kosten wichtigerer Prioritäten oder weil mein innerer Akku einfach schon aufgebraucht ist. Sich jeden Tag ein paar Stunden zu gönnen in denen man einfach machen kann worauf man Lust hat, ist sehr wichtig für die sonstige Arbeitszeit (auch wenn diese Arbeitszeit eigene Ziele sind).

    Was ich eigentlich sagen möchte, ist… wenn du dir zuviele Goals einrichtest, bringst du zuviel Druck in dein Leben und verlierst auch den Spaß an derartigen Freizeitaktivitäten.

    Kleines Beispiel:
    Eigentlich wollte ich vor kurzem anfangen Japanisch zu lernen, da es in diesem Internetz eine ganz tolle Lehrerin gibt, die online Kurse gibt. Leider habe ich dann festgestellt, dass ich mit dem Fortschritt des Kurses zeitlich nicht mithalten kann. Also habe ich dieses Ziel zwar erst einmal gestoppt aber male im Alltag immer wieder mal die Zeichen auf, die ich bisher kenne, ohne Anspruch auf irgendwas. Gerade deswegen schaue ich aber öffter in die Unterlagen als wenn ich mir sage: “okay, bis nächste Woche muss ich dieses oder jenes erreicht haben”. Und wenn ich demnächst mehr Zeit oder Energie haben sollte, mache ich einfach weiter mit dem Lernen. Es kann schwer sein, sein schlechtes Gewissen weg zu schieben aber es ist notwendig.

    Schöne Grüße von jemanden der sich jeden Tag “Freizeit” zusätzlich auf die ToDo Liste schreibt.😊

    • Ja, für mich heißt es nun auch um 22h, spätestens 23h weg vom Notebook/Fernseher/Handy und ran ans Buch. Eine Stunde (oder weniger) vorm Einschlummern wird dann nur noch runter gefahren und gemütlich im Bett gelesen. Bisher fahre ich damit auch sehr gut und habe meine Schlafstörungen in den Griff bekommen. Daran sind zwar noch ein paar andere Faktoren beteiligt, aber der Blog-Artikel liegt schon fertig geschrieben im Back-End und wird die Tage auch online gehen. 🙂

  2. Natürlich muss das jeder für sich selbst handhaben, ob er oder sie solche Listen braucht und einen Ansporn. Ich für mich denke mir, dass ich aus Spaß lese. Sowie ich aus Spaß zocke, Filme/Serien schaue. Natürlich bin ich da in der Situation, dass ich nicht gezwungen bin etwas bis zu einem gewissen Zeitpunkt gemacht haben zu müssen.

    Bei mir sind es auch oftmals Phasen. Da lese ich dann ganz viel, oder zocke, oder schaue Filme und Serien. Immer gerade so wie es mir Spaß macht. Und das sollte bei allem immer im Vordergrund stehen. Was nützt ein gutes Buch, wenn du dich zwingen musst es zu lesen und es dadurch für dich seine Wirkung verfehlt?

    • Das Phasenweise trifft es bei mir auch sehr gut. Wenn ich bei meiner Familie bin, lese ich zum Beispiel immer unheimlich viel. Da nehm ich mir für eine Woche schon zwei Bücher mit und muss mir dort nochmal zwei kaufen. Daheim ist der Ort, wo ich wirklich am seltensten zum Lesen komme. Vielleicht auch wegen der vielen Ablenkung. Ich weiß, ich bräuchte nur einen Knopf drücken, um mich stattdessen von der Flimmerkiste berieseln zu lassen. Früher bin ich zum Lesen tatsächlich auch oft ins Café gegangen, auch wenn es dort vielleicht etwas lauter ist.

  3. Ich lese zum Beispiel immer auf dem Weg zur Uni. Und sobald das Buch einen gewissen Punkt erreicht hat, kann ich es auch nicht mehr weglegen.

    Und ich kann mich auch noch erinnern, wie ich mir mal in einem Urlaub jeden Tag ein neues Buch gekauft hatte. Es waren zwar nur Gänsehaut-Bücher, aber hey. 😄

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