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Ghibli-Special: Nausciaä aus dem Tal der Winde

Ghibli Special Nausicaa

Wer mich kennt, der weiß, dass mein Herz für Ghibli schlägt. Aus diesem Grund hatte ich auch Lust, mich auf dem Blog nochmal näher mit Ghibli zu beschäftigen und eine kleine Ghibli-Special-Reihe zu starten. Idealerweise will ich nicht die Filme vorstellen: Vorstellungen, Reviews etc. gibt es wie Sand am Meer. Stattdessen möchte ich versuchen, gewisse Informationen rund um den Film herum zu erzählen: was bedeuteten sie für Ghibli? Was für den Gründer Hayao Miyazaki? Worauf basieren die Filme und wie war die Rezeption? Vorgehen möchte ich dabei klassisch chronologisch.

Und da fängt das drum herum schon an, denn “Nausicaä aus dem Tal der Winde” mag vielleicht der erste Film des Teams sein, das nun (oder darauf folgend) einen Großteil des Ghibli-Teams ausmachte, doch das berühmte Studio Ghibli war zu dem Zeitpunkt noch gar nicht gegründet. Der Film wurde 1984 veröffentlicht und basiert auf dem gleichnamigen, von Hayao Miyazaki geschaffenem, Manga. Tatsächlich war es der wirtschaftliche Erfolg von Nausicaä, der die Gründung des Studio Ghibli 1985 ermöglichte. Noch heute ist die Hauptrolle Nausicaä eine sehr beliebte Anime-Figur.

1982 erschien der Manga “Nausicaä aus dem Tal der Winde”. Eventuell fällt dem ein oder anderen die Ähnlichkeit des Namens zu Nausikaa auf. Nausikaa ist eine Figur der griechischen Mythologie und Inspirationsquelle für Hayao Miyazaki. In Homers “Odyseey” ist es Nausikaa, die mit ihren Dienerinnen am Strand spielt und die mit ihrem Lärm einen Schiffbrüchigen weckt. Doch sie ist die Einzige, die keine Angst vor ihm hat und ihm Hilfe anbietet. Neben Nausikaa inspirierte auch Mushi Mezuru Higemi Miyazaki für den Manga. Zu deutsch “die Insekten liebende Prinzessin”, eine japanische Erzählung. Doch warum ein Manga? Es war nicht so, als wollte Miyazaki um Biegen und Brechen den Comic veröffentlichen. Es waren die Vorgesetzten beim damaligen Filmverlag Tokuma Shoten, die keine Produktion unterstützen wollten, die nicht auf einem bereits erfolgreichem Werk basierte. Und so wurde der Manga als Mittel zum Zweck veröffentlicht, um Miyazaki die Möglichkeit zu geben, den ursprünglich geplanten Anime umsetzen zu dürfen. (Es wird sich in der Reihe noch zeigen, dass Miyazaki viele Tricks angewandt hat, um seine Ideen durchzubringen.) Der Film befasst sich in etwa mit den ersten 16 Kapiteln des Mangas, wenn auch große inhaltliche Änderungen vorgenommen wurden. Da Miyazaki den Manga als Reihe angesehen hatte, war zur Produktion des Films noch kein Ende geschrieben und ein eigenes Ende für den Film wurde konzipiert.

Am 11. März 1985 erschien der Film in den japanischen Kinos und wurde ebenfalls zu einem großen Erfolg. Noch im gleichen Jahr erwarb die Firma New World Pictures die Rechte an dem Film für den US-Markt. Viele Elemente wurden rausgeschnitten oder umgeschrieben, um Weg von dem umweltbewussten Drama hin zu einem simplen Kampf von Gut gegen Böse zu werden. Etwa ein Fünftel wurde aus dem Film herausgeschnitten und somit die ökologische und pazifistische Botschaft entfernt. Nausicaä wurde in “Prinzessin Sandra” und der Film somit in “Warriors of the Wind” umbenannt. 1986 gelang diese Fassung durch UFA unter dem Titel “Die Sternenkrieger” als VHS auch auf den deutschen Markt.

In der ungekürzten Originalfassung mit japanischer, englisch und neu aufgenommener deutscher Fassung erschien “Nausicaä aus dem Tal des Windes” durch Universum Anime erstmals am 5. September 2005 als DVD bei uns, am 15. April 2011 schlussendlich auch auf BluRay.

Nausicaä Film

Während man den Manga und Film mittlerweile auch auf deutsch bei uns kaufen kann, gibt es noch weitere Adaptionen, die ihren Weg nie in den Westen gefunden haben. In Japan erschienen Rund um Nausicaä die zwei Computerspiele Naushika Kiki Ippatsu 1984 für den NEC PC-6001, darauf folgend Kaze no Tani no Naushika für den NEC PC-8801. Beide Spiele wurden von Technopolis Soft entwickelt und von Tokuma Shoten vertrieben. Zudem erschien der Soundtrack in mehreren Fassungen auf CD, ein Artbook mit Konzeptzeichnungen und Informationen zur Produktion sowie ein Anime-Comic, der aus Standbildern des Films besteht.

Während “Nausicaä aus dem Tal der Winde” in seiner Originalfassung von Kritikern hoch gelobt wurde, kann man sich bereits denken, dass die gekürzte und umgeschriebene US-Fassung nicht an diese Kritiken heranreichen kann. So äußerte sich Tomen Smith, Gründer des Übersetzungsstudios Studio Proteus, in einem Interview 1990 zum in den USA veröffentlichten Manga “Warriors of the Wind”: „incoherent garbage suitable for mentally defective 12-year-olds“ (dt. “zusammenhangsloser Müll, geeignet für geistig gestörte 12-Jährige”). Auch Studio Ghiblis Produkutionschef Toshio Suzuki distanzierte sich und das Studio 1996 von der gekürzten Fassung: „If any of you have seen this edited version, we’d like to ask you to dismiss it from your minds“ (dt. “Sollte jemand von Ihnen die geänderte Fassung gesehen habe, möchten wir sie bitten diese aus ihrem Gedächtnis zu streichen”).

Nichts desto trotz sorgte der eingangs erwähnte große Erfolg des Films für die Gründung des eigenen Studio Ghiblis. Bis zur Veröffentlichung von “Prinzessin Mononoke” wurde das Studio und Schöpfer Hayao Miyazaki vor allem mit Nausicaä im Westen verbunden. Nausicaä erfreut sich einer großen Beliebtheit, auch über die Grenzen hinaus.

Und wusstet ihr, dass das Volk der Nausikaaner in Star Trek nach dieser Nausicaä benannt wurde?

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6 Kommentare

  1. Sehr spannende und interessante Fakten. Ich kannte die geschnittene Version bisher nicht. Ich mag den Film sehr, weil er für mich eine sehr große Ähnlichkeit zu Mononoke hat. Was Thematik und Figurenkonstellationen angeht.

    Hast du mal was von den Mangas gelesen?

    • Nein, bisher leider nicht. Ich habe mir vorgenommen, zu allen Ghiblis auch mal die Vorlagen zu lesen, soweit möglich, aber da gehörte der Manga bisher noch nicht zu. Ich kenne den “Anime-Manga” zu Howl’s Moving Castle, den habe ich mir zugelegt. Der besteht halt wirklich nur aus den Stills der Filme mit Untertiteln des gesagten Textes.

      Aber Nausicaä werde ich mir auch irgendwann noch zulegen.
      Vielleicht, wenn ich alle Filme durch habe, geht das Ghibli-Special ja dann weiter, in dem ich eben die Vorlagen dazu vorstelle. 🙂

  2. Ich hab bei Amazon direkt mal nach dem Manga geguckt. Bin ja am überlegen, mir mal den ersten Band zu holen. 😄

  3. Wow, spannende Infos! Vielen Dank dafür 🙂 Nausicäa (und Akira) waren meine ersten Manga, die ich aus der Bibliothek ausgeliehen hatte damals. Das waren aber noch keine “Manga Formate” eher wie ein Bilderbuch…Hach ja….damals.

    • Nausicaä habe ich noch nie als Manga wo rumstehen sehen, Akira haben wir aber auch im Regal, daher nehme ich einfach mal an, dass es so ähnlich aussehen muss. Die Manga zu Nausicaä will ich mir aber auch auf jeden Fall irgendwann noch zulegen! <3

  4. Pingback: Ghibli-Special: Das Schloss im Himmel – Fancyschmancy

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