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11. Japanischen Filmtage 2017 – Woche 1

Eyes on Japan 2017 - Woche 1

Die erste Woche der Japanischen Filmtage 2017 ist rum und ich habe versucht so viele Filme wie möglich zu sehen. Sofern es mir zeitlich möglich war, bin ich ins Filmmuseum gegangen. Ich kann und will übrigens keine Kritiken schreiben, ich möchte die Filme lediglich vorstellen für die, die vielleicht nicht die Chance haben die Filmtage selbst zu besuchen und meine kurze, bescheidene Meinung dazu da lassen.

Fireworks From The Heart
Den Auftakt hatten die 11. japanischen Filmtage im Blackbox-Kino des Düsseldorfer Filmmuseum mit der deutschen Erstaufführung von “Fireworks From The Heart” (jp. おにいちゃんのハナビ), der auf einer wahren Begebenheit basiert.

Der Film findet statt im kleinen Ort Katakai, nördlich der Insel Honshu angesiedelt. Das Dorf ist bekannt für sein jährliches Feuerwerks-Fest, dass über zwei Tage gefeiert wird, und steht damit sogar im Guiness-Buch der Rekorde. Besonders dabei ist nicht nur die Größe der Feuerwerks-Bomben, sondern auch, dass das Fest und die Bomben komplett durch die Dorfbewohner bezahlt wird und ohne Sponsoren auskommt. Abschlussjahrgänge, Familien und/oder Einzelpersonen kommen selbst für ihren ganz persönlichen Teil des Feuerwerks auf und schicken mitsamt der Bomben Wünsche und Botschaften in den Himmel. Hana ist großer Fan des Feuerwerks und dem zweitägigen Spektakel, seit sie mit ihrer Familie von Tokio aus aufs Land gezogen ist. Die Landluft sollte ihr gut tun und ihrem Asthma helfen. Schon immer kränkelte sie stark und litt unter Anämie. Erst später stellte sich heraus, dass es die ganze Zeit Leukämie war. Während sie sich auf dem Land erholen kann, kommt sie nach einem halben Jahr Therapie im Krankenhaus zurück zu ihrer Familie. Ihrem großen Bruder Tarō tat der Umzug jedoch ganz und gar nicht gut. Mitten in der Mittelschule wurde er aus seinem kompletten Umfeld gerissen und musste seine Freunde zurücklassen. In der neuen Schule findet er keinen Anschluss und wird zum Einzelgänger. Nachdem er seinen Abschluss gemacht hat, zieht er sich nur noch in sein Zimmer zurück. So kommt Hana zurück heim und findet ihren Bruder als hikikomori auf.

Gemeinsam arbeiten sie an sich. Und Hana drängt ihren großen Bruder dazu, dem Planungskomitee für das nächste Feuerwerksfestival seiner Abschlussklasse beizutreten. In Hoffnung, es selbst noch miterleben zu dürfen.

Mir persönlich hat der Film wirklich sehr gefallen. Ein wirklich wunderschöner, emotionaler Auftakt in die japanische Filmwoche. Die schauspielerische Leistung war stark, das Elternpaar kennt man unter Anderem aus Filmen von Kitano oder Mike. Der Darsteller des Tarōs kann selbst auf eine Vergangenheit als hikikomori zurückblicken und so die Rolle sehr authentisch rüberbringen, während man den ganzen Film über mit Hana mitfiebert.

Eyes on Japan 2017 - Woche 1

Der Junge und das Biest
Nachdem sein Vater die Familie schon lange verlassen hat, stirbt nun auch noch seine Mutter und lässt den neunjährigen Ren in dieser Welt zurück. Als er seiner Pflegefamilie übergeben werden sollte, rennt er jedoch weg, um fortan obdachlos durch die Straßen von Shibuya zu ziehen. Währenddessen, in einer anderen Welt, der Welt der Biester, entscheidet sich der Großmeister der Tiermonster zu einer Gottheit zu werden und einen neuen Nachfolger zu suchen. Die beiden Anwärter sind Iōzen und Kumatetsu, der eine Vater zweier Kinder, der andere ein raubeiniger Taugenichts. Der Großmeister rät Kumatetsu einen Schüler aufzunehmen, um Verantwortung zu zeigen und seine Chancen zu verbessern.

Auf seiner Reise in die Welt der Menschen trifft Kumatetsu auf den einsamen Jungen Ren und nimmt ihn als seinen Schüler von nun an auf. Ein Mensch in der Welt der Tiermonster sorgt für Aufsehen. Nicht lange kann dies gutgehen, befürchten die Bewohner. Doch Kumatetsu schafft es Ren, den er fortan nur noch Kyūta ruft, erfolgreich großzuziehen und auszubilden. Doch waren die Sorgen der anderen Tierwesen wirklich umsonst?

Ich muss sagen, dass dieser Film mich wirklich begeistert hat. Vorab habe ich nicht viel erwartet, aber als ich dem Vortrag vor dem Film entnahm, dass Hosoda Mamoru es ebenfalls war, der “Das Mädchen, das durch die Zeit sprang” und “Summer Wars” gemacht hat, war ich sofort gespannt. Und wurde nicht enttäuscht. Jedem, der Anime etwas abgewinnen kann, möchte ich empfehlen, mal einen Blick in dieses Werk zu werfen.

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Der Junge und das Biest

Leonie
Léonie Gilmour war eine Englisch-Lehrerin, Lektorin und Journalistin. Und sie ist die Mutter des berühmten Bildhauers Isamu Noguchi. Doch wie es zu dieser Geburt kam ist eine turbulente Geschichte, die damit Anfing, dass sie im New York der 1901er Jahre dem Stellengesuch von Yone Noguchi, einem japanischen Poeten, folgte. Dieser hatte schon zwei Bücher in Amerika publizieren können, doch ohne den ersehnten Erfolg und immer noch unsicher der englischen Sprache. So wurde Léonie schnell als Editorin eingestellt und half Yone fortan mit seinen Werken. Neben dem Arbeitsverhältnis entsteht eine romantische Beziehung zwischen den beiden, die abrupt endete, als Yone während des Russisch-Japanischen Krieges sich dazu entscheidet zurück nach Japan zu gehen und Léonie schwanger zurück lässt.

Statt in New York zu bleiben, reist die Schwangere zurück zu ihrer Mutter nach Kalifornien, wo sie ihr Kind, Isamu Noguchi, gebärt. Zeit vergeht, bis Yone Léonie bittet ihm nach Japan zu folgen, wozu sie sich auch entscheidet. Doch schnell zeigt sich, dass in Japan doch nicht das wartet, was Léonie sich erhoffte.

Das Biopic über Léonie Gilmour ist durchaus interessant, auch wenn ich zuvor weder von Yone noch von Isamu Noguchi gehört habe. Leider wirkte die Erzählweise auf mich jedoch manchmal sehr unglücklich, doch vor Filmbeginn hieß es schon, dass der Film für das westliche Publikum um 30 Minuten gekürzt wurde. Dennoch missfällt mir etwas an dem Film, was ich leider nicht ganz in Worte fassen kann. Aber die Geschichte von Léonie Gilmour ist nicht zu verachten, die in ihren Lebzeiten sicherlich so einiges erlebt hat.

Leonie

The Gift of Memory
Nach langer Zeit reist ein Regisseur zurück in seine Heimat Kumamoto, um dort nach geeigneten Drehorten zu suchen und besucht dabei die Schauplätze seiner Kindheit… und seiner Jugendliebe. Während sich eine junge Frau wundert, wer dieser Mann im schwarzen Mantel ist, der ihrer Mutter heimlich nachstellt. Sie hingegen weckt die Erinnerungen in ihm und gemeinsam durchleben sie die Vergangenheit.

Der Kurzfilm “The Gif of Memory” geht nur etwa 40 Minuten, erzählt aber dennoch eine schöne, mitreißende Geschichte und zeigt tolle Bilder der Kumamoto-Region, die 2016 durch mehrere starke Erdbeben erschüttert und teilweise zerstört wurde. So wurde der Film auch im Rahmen einer Benefiz-Veranstaltung gezeigt, in der Spenden für den Wiederaufbau gesammelt wurden.

Wer gerne ebenfalls für den Wiederaufbau spenden möchte, kann noch bis zum 31.03.2017 auf ein speziell errichtetes Spendenkonto des Japanischen Generalkonsulats Düsseldorf. Die Spendengelder werden dann von den einzelnen Kommunen an die Opfer weitergegeben.

The Gift of Memory

Unsere kleine Schwester
Die drei Schwestern Sachi, Yoshino und Chika leben alleine im Haus der Mutter, nachdem ihr Vater die Familie für eine andere Frau verlassen hat und auch ihre Mutter sie zurück ließ und Sachi, die Älteste, sich um ihre beiden kleinen Schwestern kümmern musste. Mittlerweile sind sie allesamt erwachsen und werden zur Beerdigung ihres Vaters eingeladen, wo sie seine jüngste Tochter, ihre Halbschwester, Suzu treffen. Ihr Vater lebte zuletzt in dritter Ehe, Suzu wohnt so nach dem Tod ihres Vaters mit ihrer Stiefmutter zusammen, woraufhin Sachi und ihre Schwestern Suzu einladen, mit ihnen zu leben, immerhin seien sie doch blutsverwandt.

Der Film zeigt das Zusammenleben der vier Schwestern und ihre jeweils eigenen Probleme und Sorgen im Alltag. Sachi, die zu streng mit sich selbst ist, nicht vergessen darf ihr eigenes Leben zu leben und sich nicht nur um andere zu kümmern. Yoshino, die sich Hals über Kopf in jeden fragwürdigen Mann verliebt, ihren Job und das Erwachsensein noch nicht so ernst nimmt. Chika, anders als ihre beiden Schwestern, glücklich mit dem vielleicht unkonventionell wirkendem Leben, das sie führt. Und Suzu, der eine große Last abgefallen ist und nun bei ihren drei Schwestern komplett aufblühen kann.

Vielleicht eine ruhige Geschichte, aber eine, die definitiv ein gutes Gefühl zurück lässt. Es tut gut, mal eine Zeit abzuschalten und den vier Schwestern in ihrem Alltag beizuwohnen. Mehr Emotionen statt Action, ohne dass Langeweile aufkommt.

Wer Unsere kleine Schwester im Rahmen der 11. Japanischen Filmtage sehen möchte, der hat am Sonntag, 22. Januar, um 17 Uhr nochmal die Chance.

“Unsere kleine Schwester” als DVD auf Amazon bestellen.

Unsere kleine Schwester

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2 Kommentare

  1. Schön, dass dir “Der Junge und das Biest” so gut gefallen hat, jetzt bin ich noch mehr gespannt auf den Film. 🙂

    Auch die anderen Filme hören sich wirklich gut an. “Fireworks from the Heart” klingt, als müsste man am Ende arg mit den Tränen kämpfen…

    “Unsere kleine Schwester” möchte ich auf jeden Fall mal sehen, ich hab grad festgestellt, dass Haruka Ayase da mitspielt und die mag ich sehr gerne. 🙂

    • Ohja, “Der Junge und das Biest” war super!

      Und auch die anderen Filme kann ich (bis auf Leonie vielleicht) wirklich zweifelsohne empfehlen. Leider hat man da nicht immer die Möglichkeit, da nicht alle hier vertrieben werden. Aber bei “Unsere kleine Schwester” ist dies ja möglich! 🙂

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